Re: Trampen vor Tunneln

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erstellt von Arne List am 12. Mai 2004 um 13:03:38 Uhr



Antwort auf: Re: Trampen vor Tunneln (von u.kordeck am 9. Mai 2004 um 10:57:55 Uhr)
Hi, also das mit dem Trampen vor Tunneln im Allgemeinen kann ich nur bestätigen. Ich bin 1984 und '85 auf den gesamten Färöern getrampt, und das war nie ein großes Problem. Schwierig war es höchstens, aus Tórshavn raus zu kommen, aber das lag meist daran, dass die Leute nur innerhalb Tórshavns fuhren. Touristen haben mich übrigens nie mitgenommen. Aber das waren ja meist auch Island-Fahrer mit ihren aufgemotzten Geländewagen.

Zum Trampen auf Suðuroy im Besonderen: Ich habe noch mal in mein Reisetagebuch geschaut: Dort steht für 1984 und '85 immer nur lapidar: "Der erste Wagen hielt an". War das Trampen damals schon sehr einfach auf den Färöern, so hat Suðuroy alles getoppt.

Mag ja Zufall oder Vergangenheit sein, aber mein Bild von den Färöern und vor allem den Färingerinnen und Färingern hat das nachhaltig geprägt. So zum Beispiel auch die Männer von Vágar, die ich in bester Erinnerung habe. Einst kam ich mit der letzten Fähre von Vestmanna an und hatte irgendwie Pech, dass keiner Platz hatte, mich nach Sørvágur mitzunehmen. Ich hatte schon "Angst", dass ich an dem einsamen Anleger übernachten müsste (zum Wandern war es eindeutig zu spät). Aber da kam noch ein Taxifahrer, der wohl wusste, dass er noch eine zweite Fuhre machen kann, und er fuhr mich halt nach Sørvágur. Nun, das alleine ist nicht spektakulär. Als ich aber zurück von Mykines kam traf ich auf den selben Taxifahrer. Ich wollte eigentlich trampen, aber er lud mich ein und fuhr mich GRATIS wieder zur Fähre. Er begründete das so, dass ich ihn doch schon auf der Hinfahrt bezahlt hätte. Sicher ist das nicht selbstverständlich und sicher auch ein besonderer Einzelfall, aber dennoch habe ich eine Fülle vergleichbarer "Einzelfälle" erlebt.

Zum Beispiel auch das Wegkommen von Mykines. Wir standen da mit ca. 30 Leuten am Anleger und das offene Boot konnte nur 20 "und ein paar Zerquetschte" mitnehmen. Da es eine Reisegruppe gab, die das Boot extra gebucht hatte, die da genau reinpasste, war eine Diskussion überflüssig. Das nächste Boot sollte erst in zwei Tagen kommen. So standen wir da im Regen - fünf Däninnen und Dänen, eine Färingerin und ich. Was passierte? Die Männer kamen mit dem Boot zurück. Sie hatten es nicht versprochen (kanska), aber sie wussten, dass wir im Regen warteten. Ob wir dafür überhaupt bezahlen mussten, weiß ich nicht mehr. Ist auch egal, so etwas ist unbezahlbar, zumal das Wetter überhaupt nicht gemütlich war, um nun ausgerechnet vor Mykines mit einem offenen Boot rumzuschippern.

Zum "billig Urlaub machen": Ich HABE auf den Färöern "billig Urlaub" gemacht. Es ist Einstellungssache. Ich hätte dort sogar in einer Fischfabrik arbeiten können. Der Bsitzer schlug mir das beim Trampen vor!

Aber vielleicht bin ich ja wirklich ein Einzelfall, und vielleicht ist das alles anders geworden... :-)


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