Klaus Böldl, Die fernen Inseln, S. Fischer 2003

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erstellt von Johannes Grahn am 19. Februar 2003 um 15:22:36 Uhr



Klaus Böldl, Die fernen Inseln, S. Fischer 2003
Mit dem 1828 geführten (1830 veröffentlichten und 1993 als Nachruck erschienenen) Reisetagebuch von Carl Julian Graba im Gepäck reiste Klaus Böldl, Skandinavist (Wiss. Assistent Uni München) und Belletristikautor,
vor ein paar Jahren für anderthalb Sommerwochen auf die Färöer. Einen "klassischen Reisebericht" darüber abzuliefern lag dem Verfasser fern. Er hat vielmehr die Abgeschiedenheit auf den Färöern gesucht und dort auch eine "bestürzende Abgeschiedenheitsatmosphäre" gefunden. Der Autor beschreibt in seinem Buch (Färöer ab S. 73 ff.) einen Gang durch Sörvagur (für korrekte Schreibweise fehlen mir die besonderen fär. Buchstaben auf der Tastatur) an einem trüben Freitagnachmittag im August, bei dem ihm kaum Menschen auf den Strassen begegnen. Es ist kein Wunder, sind doch die kleinen Ortschaften der Färöer nicht gerade als Eldorado für Flaneure bekannt. Einen etwas anderen Eindruck hätte Klaus Böldl bei einem längeren Aufenthalt im geschäftigeren Torshavn bekommen, wo kaum noch "Spuren einer plötzlich zusammengebrochenen Konjunktur" zu finden sind. Seit ein paar Jahren erlebt die fär. Wirtschaft einen Boom, von dem man nichts mitbekommt, wenn man seine Zeit auf den Färöern hauptsächlich mit einsamen Wanderungen verbringt, sinnierend auf Bänken, Mauern oder Steinen herumsitzt und nicht das Gespräch mit den Menschen sucht. Der Bau des Gasadalurtunnels wurde übrigens erfolgreich weiterbetrieben. Zu den vom Autor aufgesuchten und beschriebenen Orten gehören Kirkjuböur, Saksun, Eidi und Vidareidi. In Klaksvik trifft er als Augenzeuge eines Grindwalfangs auf ein "geschäftiges Treiben, wie ich es bei den so unbeirrbar langsamen und durch nichts aus dem Tritt zu bringenden Färingern kaum für möglich gehalten hätte". Es ist einer der Reiseeindrücke des Autors, die wohl schon jeder, der die Färöer besucht hat, bestätigen kann (wie auch die Psalmengesänge aus dem Radio, die Gänsefamilie, die über den Asphalt watschelt usw.). Eine kurze Zusammenfassung der Faer(ey)inga Saga findet sich auf den S. 104-107. Ausser dem Reisetagebuch von Graba, aus dem gelegentlich zitiert wird (z.B. S. 87/88, 120), bezieht der Verfasser sein Wissen wohl aus einem ungenannten "Reiseführer". Ob daraus einige der Fehler in dem Färöerteil des Buches stammen, weiss ich nicht: (S. 9/10): "nach Vagar,...der zweitgrössten der Schafinseln." Richtig: der drittgrössten (nach Streymoy und Eysturoy). (S. 101): Der nach einem Bootsunglück, bei dem 1913 seine gesamte männliche Bevölkerung ums Leben kam, aufgegebene Ort auf Kunoy heisst: Skard. (S. 110): Föroya Bjor wäre tatsächlich die "einzige fär. Brauerei", wenn es nicht noch Restorffs in Torshavn gäbe (Geschmacksfrage: Föroya Bjor ella Restorffs ?)... Im Text und auf der Übersichtskarte fällt die z.T. unorthodoxe Schreibweise fär. Ortsnamen auf (an den fehlenden Lettern kann es nicht gelegen haben). Die Lage der Orte Norddepil/Bodoy und Hvannasund/Vidoy ist auf der Karte falsch angegeben.


          Bisherige Antworten:

          Re: Klaus Böldl, Die fernen Inseln, S. Fischer 2003 Markus Brack 01.03.2003 15:02
          Re: Ein Buch nur für K. Böldl-Fans H. Behringer 21.02.2003 10:55




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