Re: orthographical correctneß

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erstellt von Richard am 15. Juli 2004 um 11:12:21 Uhr



Antwort auf: Weiß (von Arne am 15. Juli 2004 um 10:32:51 Uhr)
'tschuldige vielmals, aber erlaube mir bitte dann doch die kleine Korrektur: im Isländischen schreibt man natürlich Seyðisfjörður. Das ø gibt es im heutigen Isländisch nicht mehr. Interessanterweise ist bei den alten isländischen Autokennzeichen Ø der Kennbuchstabe für Grímsey gewesen (Þ wars für Húsavík).
Ansonsten kann ich mich Dir nur zustimmend anschließen: Färöische (oder auch andere) geographische Namen sollten wo möglich korrekt geschrieben werden. die fürchterliche Umschreibung des ð mit dh braucht man heut wirklich nicht mehr, weil es mit ALT+208 auf jedem elektronischen Schreibgerät erzeugt werden kann. Noch schlimmer find ich allerdings Sachen wie Pingvellir.

An die neue Schreibweise bzw. die neuen Regeln mit ss und ß kann ich persönlich mich allerdings nun gar nicht gewöhnen. Vor jedem Doppel-s überlegen zu müssen, ist das jetzt ein langer oder ein kurzer Vokal? Nei takk. Dabei wurde wieder mal völlig außer Acht gelassen, daß es nun mal in Deutschland zwei Sprachstämme gibt, den Oberdeutschen und den Niederdeutschen, und daß beide ihre Berechtigung und Gleichwertigkeit haben. Und da ist es einfach so, daß z.B. die Vokallängen sich unterscheiden. Markantestes Beispiel: die nun wirklich süddeutsch-bayerische "Maß" Bier. Dieses a wird im Süden korrekt sehr kurz gesprochen, so daß man das Wort nach der neuen Rechtschreibung eigentlich "Mass" schreiben müßte. Nun wird aber der Rechtschreibung die weit verbreitete, norddeutsche und eigentlich "falsche" Aussprache mit langem a zugrundegelegt - die jedem sprachlich autochthonen Oberdeutschen die Zehennägel grün anlaufen läßt - und deswegen wird weiterhin "Maß" geschrieben. Die "Maß" und das "Maß" sind aber eindeutig zwei paar Stiefel, und es ist für mich eines von vielen Beispielen dafür, daß die von mir komplett ignorierte neue Rechtschreibung in weiten Teilen fehlerhaft ist und zu mehr Fehlern verleitet. Ich kenne kaum jemanden, der privat das ß richtig - nach den neuen Regeln - schreibt, meist wird ss geschrieben. Und öffentlich? Bei uns in München fahren z.B. Busse in die XYZstrasse. Grauenhaft. Da war die alte Regel mit konsequentem ß am Silbenende unabhängig von der vorausgehenden Vokallänge meiner Ansicht nach wesentlich einsichtiger.

Um den Bogen zum Färöischen wieder zu schlagen: das gute ð ist für mich das Brüderchen unseres ß. Wie die beiden armen Lettern orthographisch gequält werden ... das haben sie dann doch nicht verdient, mein ich.

          Bisherige Antworten:

          Alt+240 Arne 15.07.2004 12:06




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